12.06.2026

Update aus dem GLS Anlageausschuss

Transparenz zählt zu unseren wichtigsten Grundsätzen. Deshalb informieren wir regelmäßig über die Entscheidungen des GLS Anlageausschusses – dem interdisziplinären Gremium, das darüber entscheidet, welche Titel in das GLS Anlageuniversum aufgenommen oder daraus entfernt werden.

Heute, am 12. Juni 2026, trifft sich der Ausschuss zum zweiten Mal in diesem Jahr. Wir nehmen das zum Anlass, auf die vorausgegangene Sitzung vom 20. März 2026 zurückzublicken und über die wichtigsten Themen und Entscheidungen dieses Tages zu berichten:

Welche Expert*innen haben teilgenommen?

  • Prof. Dr.-Ing. Christian Berg (Experte für Nachhaltigkeit)
  • Dr. Rolf Buschmann (Experte für technischen Umweltschutz beim BUND und Vorstandsvorsitzender bei natureplus e.V.)
  • Sebastian Büttner (Projektberater und Diplomingenieur für Umwelttechnik)
  • Thomas Graf (Teamleiter Nachhaltigkeitsresearch bei der GLS Investments)
  • Caroline Kremer (Mitglied des Aufsichtsrats und Betriebsratsvorsitzende der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft)
  • Ulrike Lohr (Wissenschaftliche Mitarbeiterin für sozialverantwortliche Geldanlagen beim SÜDWIND-Institut)
  • Florian Roth (Referent für Strategie und Entwicklung bei der GLS Bank)
  • Dr. Beatrix Tappeser (Mitglied im Bioökonomierat der Bundesregierung und dessen stellvertretende Vorsitzende)

Intensive Diskussion zum Umgang von Förderbanken mit dem Thema Rüstungsfinanzierung

Ausführlich diskutiert wurde über den Umgang von Förderbanken mit dem Thema Rüstungsfinanzierung. Dieser hat sich im Zuge des breiten politischen Umschwungs in den letzten Monaten und Jahren insofern stark verändert, als dass immer mehr Förderbanken ihre Richtlinien anpassen, um sich für die Sicherheits- und Verteidigungsfinanzierung zu öffnen.

Da die GLS Investments Green Bonds und Social Bonds einiger Förderbanken hält, stellt sich für uns nun die Frage, inwieweit die Kursänderung einiger Förderbanken mit unseren strengen Richtlinien in Bezug auf Waffen und Rüstungsgüter harmoniert oder kollidiert. Es wurde vorgeschlagen, im Rahmen dieses Prozesses aktiv in den Dialog mit den entsprechenden Förderbanken zu diesem Thema zu gehen.

Neuaufnahmen

Der Anlageausschuss sprach sich bei insgesamt 13 Unternehmen für eine Aufnahme in das GLS Anlageuniversum aus. Dazu zählten:

  • Alcon

    Die Alcon AG ist ein auf Augenheilkunde spezialisiertes Pharmaunternehmen mit Sitz in der Schweiz. Neben dem positiven Geschäftsfeld (Medizinische Produkte) überzeugte das in der Schweiz beheimatete Unternehmen auch durch ein nach internationalem Standard zertifiziertes Umweltmanagement sowie Social Impact Programme. Im Rahmen dieser Programme setzt sich das Unternehmen beispielsweise für einen besseren Zugang zu Augenheilkunde in unterversorgten Regionen ein.

  • Schindler

    Die Schindler Aufzüge AG hat sich auf die Entwicklung, Herstellung, Installation und Wartung von Aufzügen, Fahrtreppen und Fahrsteigen spezialisiert. Das Unternehmen wirkt positiv im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit, indem es barrierefreie Mobilität im urbanen Raum ermöglicht. Ökologisch überzeugt der Konzern durch ein EcoVadis-Platin-Rating, eine deutliche Reduzierung seiner Scope-3-Emissionen und einen verbindlichen Zuliefererstandard mit strengen Umwelt- und Sicherheitsauflagen. Positiv zu bewerten ist zudem, dass Schindler den Frauenanteil in Führungspositionen kontinuierlich steigert.

  • Veeva Systems

    Die in Kalifornien beheimatete Veeva Systems Inc. bietet spezialisierte Cloud-Software an, die Geschäftsprozesse und klinische Studien in der weltweiten Pharma- und Life-Sciences-Industrie digitalisiert und beschleunigt. Das Unternehmen überzeugt dabei u.a. durch die Implementierung wissenschaftsbasierter Klimaziele (SBTi-validiert) und ein zertifiziertes Umweltmanagement. Als gesetzlich verankerte „Public Benefit Corporation“ verpflichtet sich das Unternehmen zudem rechtlich dem Gemeinwohl und fairem Wettbewerb statt reinem Profit.

Ablehnungen

Der Anlageausschuss stimmte bei insgesamt sieben Emittenten gegen eine Aufnahme in das GLS Anlageuniversum. Zu den abgelehnten Titeln zählten:

  • Bloom Energy

    Bloom Energy ist ein US‑Technologieunternehmen mit Sitz in San José. Es entwickelt Energiesysteme auf Basis der Festoxidtechnologie, vor allem Solid Oxide Fuel Cells (SOFC) für die dezentrale Stromerzeugung. Daneben produziert es Hochtemperatur‑Elektrolyseure zur Wasserstoffherstellung und zählt in beiden Bereichen zu den führenden Anbietern. Die SOFC‑Systeme, die vor allem in Rechenzentren, der Halbleiterfertigung und industriellen Kontexten verwendet werden, wandeln Brennstoffe bei 700 bis 900 °C ohne Verbrennung direkt in Strom um und können so dazu beitragen, den Ausstoß von Schadstoffemissionen zu reduzieren. Der Haken:  Obwohl die Anlagen theoretisch wasserstofffähig sind, werden sie derzeit meist mit Erdgas betrieben. Dass sich daran in naher Zukunft etwas ändert, halten die Expert*innen des Anlageausschusses für unrealistisch, da die Umstellung auf Wasserstoff, der durch Erdgasleitungen transportiert wird, unwahrscheinlich ist. Zudem besteht in den USA momentan kaum Perspektive für den Ausbau von grünem Wasserstoff.

  • Verisk Analytics

    Die Verisk Analytics Inc. ist ein US-amerikanisches Datenanalyse- und Technologieunternehmen, das sich auf die Risikobewertung spezialisiert hat. Der Fokus liegt darauf, extrem große Datenmengen auszuwerten, um Versicherungen, Finanzdienstleistern und Regierungen fundierte Entscheidungsgrundlagen zu liefern. Die Lösungen des Unternehmens werden unter anderem für die genaue Prämienberechnung, das Schadenmanagement und die Betrugsprävention eingesetzt. Dass sich der Anlageausschuss letztlich gegen eine Aufnahme des Unternehmens entschieden hat, hatte mehrere Gründe. Besonders kritisch wurde bewertet, dass das Unternehmen indirekt mit ICE, der mittlerweile berühmt-berüchtigten US-amerikanischen Einwanderungsbehörde, kooperiert und darüber hinaus die grundsätzlichen Datenschutzrisiken als zu hoch eingeschätzt wurden.

Ausschlüsse

Insgesamt wurden mit dem Unternehmen Steelcase, dem responsAbility Global Micro and SME Finance Fund sowie dem responsAbility Ventures I Fund drei Emittenten aus dem Anlageuniversum entfernt. Bei allen waren ökonomische Gründe ausschlaggebend.

Die nächste Sitzung des GLS Anlageauschusses findet am 18. September statt.