20.03.2026

Update aus dem GLS Anlageausschuss: Atomkraft, KI und klare Entscheidungen

Wie bewerten wir Green Bonds aus Ländern, die den Ausbau der Atomkraft vorantreiben? Und wie gehen wir mit der Bewertung von Unternehmen um, die Künstliche Intelligenz in sensiblen Bereichen einsetzen? In der Sitzung vom 5. Dezember 2025 hat der GLS Anlageausschuss wichtige Zukunftsfragen diskutiert. Heute, am 20. März 2026, tagt das Gremium erneut. Wir blicken zurück und zeigen, was die Entscheidungen für das GLS Anlageuniversum bedeuten.

Rückblick auf die Sitzung am 05. Dezember 2025

Atomkraft: klare Haltung, differenzierte Prüfung
Weltweit setzen viele Regierungen wieder stärker auf Atomenergie. Sie verlängern Laufzeiten, schaffen Förderprogramme und treiben neue Vorhaben voran. Das betrifft Staaten wie China und Russland, aber auch europäische Länder wie Frankreich und Schweden. Unsere Haltung gemäß der GLS Anlage- und Finanzierungsgrundsätze ist eindeutig: Atomkraft zählt zu den Ausschlusskriterien. Doch für den GLS Anlageausschuss ergibt sich daraus eine konkrete Frage: Wie bewerten wir Green Bonds von Gebietskörperschaften, wenn der jeweilige Staat zugleich den Ausbau der Atomkraft fördert? Sind solche Green Bonds in der Einzelbetrachtung investierbar?

Diskutiert wurde daher die Frage, ob es zusätzliche Kriterien für die Bewertung von Gebietskörperschaften braucht. Diese könnten eine präzisere und differenzierte Bewertung ermöglichen. So ließe sich künftig zum Beispiel prüfen, ob Green Bonds aus dem Großraum Paris ins Anlageuniversum passen, obwohl Frankreich durch den Ausbau von Atomkraft gegen das entsprechende Ausschlusskriterium verstößt. Die Investitionsbedingungen würden klar bleiben: Mit einem Green Bond, in den wir investieren (wollen), darf keine Atomkraft finanziert werden. Investierbar bleiben ausschließlich Anleihen, die sozial-ökologische und zukunftsweisende Projekte fördern.

KI: Innovation braucht Verantwortung
Zum ersten Mal kamen in der Dezember-Sitzung auch unsere neuen Standards zur Bewertung von Künstlicher Intelligenz zur Anwendung. Sie schärfen unseren Blick für die Frage, ob und wie Unternehmen KI verantwortungsvoll einsetzen.

Ein Beispiel aus der Sitzung: Das US-Unternehmen Lemonade wickelt Schadensfälle weitgehend automatisiert ab. Menschen treffen dort zwar weiterhin die letzte Entscheidung. Trotzdem zeigt der Fall, wie stark einige Unternehmen mittlerweile auch sensible Entscheidungen mit KI steuern. Der Anlageausschuss entschied sich gegen eine Aufnahme von Lemonade. Ausschlaggebend waren fehlende Nachhaltigkeitsberichterstattung und mangelnde Selbstverpflichtungen zum ethischen Einsatz von KI. Für uns gilt: Technischer Fortschritt überzeugt nur dann, wenn er den Menschen dient und klare Leitplanken einhält.

Neuaufnahmen
Insgesamt nahm der Anlageausschuss 17 Emittenten neu in das GLS Anlageuniversum auf. Dazu zählen unter anderem:

H. Lundbeck aus Dänemark. Das Unternehmen entwickelt Arzneimittel für die Behandlung psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen. Neben dem positiven Geschäftsfeld punktete das dänische Unternehmen mit einem zertifiziertem Umweltmanagement und einem ausführlichen Nachhaltigkeitsreporting.

Hemnet Group aus Schweden. Das Unternehmen betreibt Schwedens größte Onlineplattform für Immobilien und veröffentlicht relevante Nachhaltigkeitsdaten zu den Angeboten. Der Anlageausschuss lobte unter anderem auch die hohe Frauenquote auf der Managementebene.

Systemair aus Schweden. Das Unternehmen stellt unter anderem Wärmepumpen her und bedient damit wichtige Bedarfe der Wärmewende. Eines der Argumente für eine Aufnahme ins Anlageuniversum waren die guten Maßnahmen im Bereich Zirkularität.

Ablehnungen und Entfernungen
Sechs Emittenten schafften es nicht ins Anlageuniversum oder schieden aus.
Neben Ablehnungen wie der von Lemonade gab es eine Entfernung: das Unternehmen Borregaard aus Norwegen. Hintergrund war ein Hinweis nach dem Wechsel unseres Datenanbieters. Demnach führt das Bio-Raffinerie-Unternehmen gesetzlich nicht vorgeschriebene Tierversuche durch.

Engagement
Auch laufende Engagement-Prozesse standen auf der Agenda. Besonders im Fokus stand ein öffentlichkeitswirksames Engagement des Investorennetzwerks Shareholders4Change, dem auch wir als GLS Investments angehören. Im Zentrum steht das Unternehmen Swiss Re AG. Der Rückversicherer hat unter anderem Landwirtschaftsbetriebe in Brasilien gegen Ernteausfälle versichert, obwohl diese illegale Brandrodungen betrieben oder Flächen bewirtschaftet haben, die teils indigenen Gemeinschaften zugesprochen waren. Damit steht auch die Mitverantwortung für Regenwaldzerstörung und die Enteignung indigener Gruppen im Raum.

Shareholders4Change fordert ein klares Eingeständnis der Versäumnisse, finanzielle Wiedergutmachung, die Einhaltung der UN-Leitprinzipien und einen Beschwerdemechanismus für Betroffene. Am 10. April 2026 steht die Hauptversammlung von Swiss Re an. Dort will das Netzwerk den Dialog fortsetzen und den Druck auf den Konzern erhöhen. Ziel sind wirksame Maßnahmen und ein verantwortungsvoller Umgang mit den bekannten Fällen. Fest steht: Der Engagement-Prozess endet nicht mit der Hauptversammlung. Der GLS Anlageausschuss wird die Reaktionen des Unternehmens bewerten und mögliche Konsequenzen diskutieren. 

Welche Expert*innen haben teilgenommen?
•    Dr. Beatrix Tappeser (Mitglied im Bioökonomierat der Bundesregierung und dessen stellvertretende Vorsitzende)
•    Caroline Kremer (Mitglied des Aufsichtsrats und Betriebsratsvorsitzende der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft)
•    Prof. Dr.-Ing. Christian Berg (Experte für Nachhaltigkeit)
•    Florian Roth (Referent für Strategie und Entwicklung bei der GLS Bank)
•    Dr. Rolf Buschmann (Experte für technischen Umweltschutz beim BUND und Vorstandsvorsitzer bei natureplus e.V.)
•    Sebastian Büttner (Projektberater und Diplomingenieur für Umwelttechnik)
•    Thomas Graf (Teamleiter Nachhaltigkeitsresearch bei der GLS Investments)
•    Ulrike Lohr (Wissenschaftliche Mitarbeiterin für sozialverantwortliche Geldanlagen beim SÜDWIND-Institut)

Ausblick auf die heutige Sitzung am 20. März 2026
Heute befasst sich der Anlageausschuss vor allem mit Prolongationen, also der erneuten vertieften Prüfung bestehender Emittenten. Hinzu kommen 16 Prüfungen komplett neuer Emittenten sowie die Diskussion über laufende Engagement-Prozesse.
 

Illustration von vier Personen über dem Text Der GLS Anlageausschuss - Update on purple.